Eine gute Rede braucht Individualität
Eine Hochzeitsrede besteht aus drei Teilen: Der Einleitung mit Begrüßung, dem Hauptteil mit dem Kern der Rede, sowie dem Abschluss mit einem Fazit und den Wünschen für das Brautpaar. Je nachdem, wie nahe man dem Brautpaar steht, variiert der Persönlichkeitsgrad der Rede. Eine distanzierte Ansprache des Brautpaars in der Höflichkeitsform „Sie" ist jedoch so gut wie immer fehl am Platz.
Am Beginn einer jeden Rede steht die Begrüßung der Zuhörer. „Liebes Brautpaar, liebe Eltern und Brautleute, geehrte Verwandtschaft, liebe Freunde und Bekannte", lautet eine häufig verwendete, aber langweilige Formulierung. Um der Einleitung etwas Leben einzuhauchen, arbeite besser mit persönlichen Elementen wie zum Beispiel „Liebes Brautpaar, liebe Kerstin, lieber Hannes", oder „Liebe Kerstin, lieber Hannes, liebe alte und neue Verwandte". Dadurch fühlen sich die Leute schon mehr angesprochen und werden aufmerksam.
Dann gilt es zum Thema hinzuführen. Manche Redner erzählen eine Anekdote aus dem Leben des Brautpaars, andere bringen einen harmlosen Witz, laufen dabei aber Gefahr in ein Fettnäpfchen zu treten. Etwas einfacher gelingt der Übergang von der Begrüßung zum Hauptteil mit einem Zitat oder Vers zum Thema Liebe oder Ehe. Diesen kann man dann auch noch selbst interpretieren und auf das Brautpaar umlegen. Echte Profis greifen auch das Wort des Vorredners auf und ergänzen ihn in seinen Ausführungen oder entgegnen ihm vorsichtig.
Im Hauptteil der Rede kann man entweder ganz persönlich auf das Brautpaar eingehen oder man spricht allgemein über die Ehe und die Liebe, schafft aber immer wieder einen Bezug zum Paar. Gerne wird über die eigene Beziehung zum Brautpaar, die Jugend der Braut oder des Bräutigams, gemeinsame Erlebnisse, den Tag der ersten Begegnung, oder den Beruf gesprochen. Man kann im Hauptteil auch ein Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft spannen. Wie hat sich das Brautpaar kennengelernt? Wie gehen sie heute miteinander um? Was kommt künftig bzw. welche Pläne haben sie? Enthält der Hauptteil einen solchen Spannungsbogen, wird man am Schluss auf die Zukunft anstoßen.
Beim Abschluss sollte man auf die Linie des Hauptteils achten. Regt dieser mehr zum Nachdenken an oder überwiegt die Heiterkeit, sollte auch der Schluss dementsprechend sein. Alles andere käme einem unpassenden Stilbruch gleich.
Viele Redner sind froh, wenn sie bemerken, dass sie langsam an das Ende gelangen und bald erlöst sind. Jedoch sollte in diesen Situationen keinesfalls mit diesen oder ähnlichen Worten wie „Und das war's dann" oder „Mehr habe ich nicht zu sagen" geendet werden. Solch ein Schlusssatz wirkt ähnlich wie „ ...und jetzt lasst mich in Ruhe" und kann als unhöflich empfunden werden. Eleganter ist es, wenn man seine Rede mit einem Fazit abrundet und das wichtigste noch einmal kurz auf den Punkt bringt. Dann kann man noch Wünsche für die Zukunft äußern oder einen Toast ausbringen. „So bleibt mir am Ende nur noch eines: Ich wünsche euch, dass alle eure Träume wahr werden. Auf Kerstin und Hannes!" oder „An diesem besonderen Tag in eurem Leben kann ich euch nur eines mit auf den Weg geben: Bleibt immer so glücklich wie heute!". Auch hier sind es persönliche Worte, die die nötige Würze verleihen.
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